Sprache / verändert / radikal / Bewegungen / mit / Montage / Logik / wechselt / die Form / definiert / zeichnet den Weg,/.
Bearbeitete Vorlage: Zo Leonhard / Tree / 1997/2011 / Programmheft des Museum Ludwig Köln 2014 / Foto: Nico Weber /
BAGERITZ – Re-Collage / Scherenschnitt / farbige Folie/Papier / 16 x 11 cm / 2014

in seinem Verhalten / ist / sicher auch / eine „herausragende Intelligenz.“ / Ja, diese Unverfrorenheit / Aber ist das nicht auch eine Leistung, / die zur politischen Forderung zu erheben? / Ja /Ja,
Bearbeitete Vorlage: Cindy Sherman / Untitled 55 / 1985 / Magazin „Texte zur Kunst“ 1990
Bageritz-ReCollage / Scherenschnitt / farbige Folie/ Papier / 21 x 15 cm / 2016

DIALOG / ist ein Grundprinzip des / Schöpferischen, ihre Spielarten / sind vielgestaltig / mit ihrer eindring-lichen Konzentration auf das Wesent- / liche der Dinge / der Schlüssel / zu / formalen Kriterien / Persianerstoff oder / Kaviar
Bearbeitete Vorlage: Candida Höfer / Eupener Strasse Aachen II / 2011 / Programmheft des Museum Ludwig Köln 2014 /
Bageritz-ReCollage / Scherenschnitt / farbige Folie/Papier / 16 x 11 cm / 2014

Bereits in den frühen 80er Jahren wirkt Bageritz als Medien- & Aktionskünstler, konzipiert u.a. „Raubzüge durch die vermarktete Wirklichkeit“ – sowohl im metaphorischen als auch wörtlichen Sinne. In seinen doppelbödig-listigen Aktionen werden ad hoc ausgewählte Gegenstände als sogenannte STOLEN OBJECTS (The Sincerity of the Artist at the End of the 20th Century) dem öffentlichen Raum respektive dem Konsum entzogen, um sie anschließend als „Beute“ – versehen mit Ort und Jahreszahl des Diebstahls – präsentiert wie eine Ikone, dem Kunstkommerz zurück zu führen (1973-1991). Mit pointierten Überarbeitungen von Werbe-Anzeigen und Produkt-Logos, Slogans & Plakaten „…konterkariert er die Strategien der Werbe-Ästhetik und erscheint nicht nur durch den Einsatz unterschiedlichster Materialien und Techniken selbst als Kunst-Chamäleon, das sich seiner von Unterhaltungsindustrie, Konsumrausch und Bilderflut geprägten Umwelt durch Mimikry perfekt anpaßt, sondern auch als Zeremonienmeister verschiedener Formen des Erscheinens und Verschwindens. Dem Zyklus The Metaphysics of the Vanishing (2001), legt Bageritz Abbildungen von tatsächlich gestohlenen Kunstwerken zugrunde und verarbeitet diese in einem photographisch digitalen Prozeß zu 2-phasigen Lentikular-Bildern.

Im Sinne einer Ästhetik der Absenz bringt Bageritz auf diese Weise im eigenen Werk zur konkreten Anschauung, was der Wahrnehmung durch Diebstahl, Raub oder Unterschlagung entzogen wurde. Kunst und Kunstdiebstahl gehen eine kunsthistorisch wohl einmalige Allianz ein. Bageritz‘ Arbeiten werden zu „Stellvertretern des Verschwundenen, zum Substitut des Abwesenden und greifen durch ihre irisierenden Wechselbild-Oberflächen gleichzeitig das Thema des Sichentziehens in doppelter Hinsicht (material-ikonographisch und rezeptionsästhetisch) auf. War die Kunst zunächst Bedingung für ihren Diebstahl, so gerät der kriminelle Akt bei Bageritz zur Voraussetzung für die eigene Kunstproduktion. Stichwortartige Vermerke über Ort und Zeit des Diebstahls auf den Photoprints lassen keinen Zweifel an der Realität des Verbrechens wie gleichzeitig an der Virtualität der erscheinenden Bilder.“ (Ulli Seegers)
In Erweiterung seiner viefältigen Ästhetischen Annektionen (de)-konstruiert Bageritz medial vorgefundenes Bildmaterial aus Kunst & Werbung, zerlegt den Nexus von Sinn und Bild um die Zeichengebung in unerwartete Richtungen zu lenken. Seit 1981 entstehen die Re-Collagen, Scherenschnitt-Bilder die Hintergründiges nach Außen transportieren – im wahrsten Sinne – und das Ganze in einem Verfahren des Re- & Upcyclings als Gedicht resp. neue Ikone entlassen…

© Peter V. Brinkemper, 2016

Ralph Bageritz (*20.02.1958), lebt und arbeitet in Berlin und Köln. Sein multimediales Werk umfaßt Malerei, Zeichnung, Collage, Photographie, Video, Text, Plakat.